madeira.news
Kultur · Funchal · 15. September 2026

Beschlagnahmter Trockenfisch in Caniçal löst Debatte über Tradition und Verhältnismäßigkeit aus

Die Beschlagnahmung von über 2.000 kg getrocknetem Bonito-Fisch in Caniçal wirft Fragen nach Tradition, lokaler Identität und der Verhältnismäßigkeit des behördlichen Handelns auf.

In den frühen Morgenstunden des 14. September 2026 beschlagnahmte die Nationale Seeverkehrsbehörde (AMN) etwa 2.011 Kilogramm getrockneten Bonito-Fisch an Bord des handwerklichen Fischerbootes Bela Aurora in Caniçal. Dem Schiff wurde das Anlegen verweigert und es wurde zum Hafen von Funchal eskortiert, wo der Fang beschlagnahmt wurde. Die Besatzung wurde bis zum nächsten Morgen an Bord festgehalten.

Für die Gemeinde Caniçal ist Trockenfisch eine traditionelle Praxis, die mit dem Fest Unserer Lieben Frau der Barmherzigkeit verbunden ist und für den Familienverzehr sowie die Zubereitung von Gemeinschaftssandwiches bestimmt ist. Die Fischer argumentieren, dass er zum Eigenverbrauch bestimmt ist und schon immer Teil der madeirischen Fischereikultur war.

Der Vorfall löste politische Reaktionen aus, wobei die PS-Madeira sich für gesetzliche Ausnahmen für kulturelle Praktiken aussprach, die CDS-PP Machico die Behörden zu gesundem Menschenverstand aufrief und die Chega-Machico ihre Solidarität mit den Fischern bekundete. Es sind Fragen zur Verhältnismäßigkeit der Festhaltung des Schiffes und der Besatzung, zur Transparenz bei der Beschlagnahmung, zum Respekt vor Traditionen und zur Kommunikation der Behörden aufgetaucht. Die aktuelle Gesetzgebung sieht keine klaren Ausnahmen für solche traditionellen Praktiken vor.

Mehr in Kultur